Die AVISTA OIL Group war in diesem Jahr auf der ICIS 2026 vertreten – einer der wichtigsten internationalen Plattformen für die Schmierstoff- und Rohstoffindustrie. Unser Kollege Mario Majic präsentierte dort die zentralen Entwicklungen, Herausforderungen und Chancen der Kreislaufwirtschaft im Schmierstoffsektor. Seine Präsentation basierte auf dem Leitgedanken „Redesigning the Bridge: Circularity and the Future of Lubricants“ und zeigte auf, wie grundlegend sich unsere Branche im Wandel befindet.
Ein komplexes System statt einer linearen Wertschöpfungsbrücke
Die Schmierstoffindustrie war lange Zeit durch eine klassische lineare Wertschöpfungskette geprägt – von der Rohstoffgewinnung über die Produktion bis hin zur Nutzung. Mario Majic machte deutlich, dass dieses Modell heute nicht mehr ausreicht. Kreislaufwirtschaft ist nicht mit einer einfachen Brücke zu vergleichen, sondern mit einem komplexen, vernetzten System. Dieses System funktioniert nur, wenn alle relevanten Akteure eng zusammenarbeiten: Schmierstoffhersteller, Additivpartner, ULO-Sammler, Re-Refiner, Maschinen- und Fahrzeughersteller, Händler und politische Institutionen. Erst das Zusammenspiel dieser Stakeholder ermöglicht einen funktionierenden Kreislauf und damit eine nachhaltige Nutzung wertvoller Ressourcen.
Ein politisch gefordertes und wirtschaftlich notwendiges Wertschöpfungsmodell
In seiner Präsentation verwies Mario zudem auf die zunehmende Bedeutung der Kreislaufwirtschaft im politischen und regulatorischen Rahmen Europas. Die EU setzt verstärkt auf zirkuläre Rohstoffströme, um die Abhängigkeit von externen Märkten zu reduzieren, die Versorgungssicherheit zu erhöhen und die industrielle Resilienz zu stärken. Vorgaben zu Rezyklateinsatz, Digital Product Passports, strengere Abfallrahmenrichtlinien und erweiterte Produzentenverantwortung zeigen, dass Circularity längst mehr ist als eine ökologische Option: Sie wird zu einem wirtschaftlichen Erfolgsmodell für Unternehmen, die sich frühzeitig strategisch darauf ausrichten.
CO₂‑Reduktion entlang der gesamten Wertschöpfungskette
Ein Schwerpunkt der Präsentation lag auf der Frage, wie sich die Treibhausgasemissionen eines Schmierstoffs über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg verändern. Mario zeigte eindrücklich, dass die größten Einsparungen nicht auf Produktebene, sondern auf Systemebene entstehen. Der Übergang von Virgin Base Oils (VRBO) zu Re-Refined Base Oils (RRBO) bietet hier ein erhebliches Potenzial. Durch den geschlossenen Kreislauf und die Wiederverwertung von Altöl entstehen deutliche Reduktionen der CO₂‑Emissionen in allen Prozessschritten – von der Rohstoffbereitstellung über die Raffination bis hin zur Wiederaufbereitung. Studien belegen, dass RRBO-basierte Produkte den CO₂‑Fußabdruck eines Schmierstoffs um mehr als 60 Prozent senken können.
Diese systemische Perspektive zeigt: Kreislaufwirtschaft ist einer der wirkungsvollsten Hebel zur Dekarbonisierung der gesamten Schmierstoffindustrie.
Hochwertige Produkte ohne Qualitätskompromisse
Ein weiterer zentraler Aspekt der ICIS-Präsentation war die technologische Weiterentwicklung im Re-Refining. Moderne Aufbereitungsverfahren ermöglichen heute Base Oils, die in ihrer Qualität VRBO-basierten Produkten entsprechen oder sie sogar übertreffen. Diese Produkte erfüllen hohe technische Anforderungen und sind in vielen Anwendungen bereits als Premiumlösungen etabliert. Somit wird deutlich: Zirkuläre Produkte stehen klassischen Lösungen in nichts nach und sind für die Zukunft der Branche unverzichtbar – sowohl aus ökologischer als auch aus wirtschaftlicher Perspektive.
Fazit
Die Teilnahme an der ICIS 2026 hat gezeigt, wie bedeutend die Kreislaufwirtschaft für die zukünftige Ausrichtung der Schmierstoffindustrie ist. Die vier Kernbotschaften, die Mario Majic vor Ort vermittelt hat, verdeutlichen die Richtung:
- Kreislaufwirtschaft ist ein komplexes System, das die Zusammenarbeit aller Beteiligten erfordert.
- Sie ist politisch vorgegeben und wirtschaftlich notwendig, um Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit in Europa zu stärken.
- Sie bietet erhebliche Potenziale zur Reduktion von CO₂‑Emissionen – und zwar entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
- Moderne zirkuläre Produkte erreichen oder übertreffen das Qualitätsniveau klassischer Schmierstoffe.
Die Zukunft der Schmierstoffindustrie ist vernetzt, zirkulär und nachhaltig – und die AVISTA OIL Group gestaltet diesen Wandel aktiv mit.

